Richard Wagner – Faszination und Kritik Forum am 17. Oktober 2026 im Nürnberger Marmorsaal  
© Gesellschaft für kritische Philosophie/Humanistische Akademie 2026

Programm

Ablauf

  Uhrzeit   Programmpunkt   13.00       Begrüßung   13.15       Richard Wagner: zwischen Infamie und Erhabenheit                    (Einführungsvortrag von Prof. Dr. Harald Seubert)                  Schwerpunkt I:                  Wagners Kunst und ihre schillernde Faszination damals wie heute   13.45       Impulsvortrag: Die Rationalisierung in der Musik am Beispiel Wagner                  (Dr. Kristina Schippling)   14.15       Diskussionsrunde                                                                                                                    - Dr. Kristina Schippling (Impulsreferentin)                  - Dr. Jutta Georg („Nietzsche contra Wagner?“)                  - Prof. Dr. Harald Seubert („Wagner zwischen Schopenhauer und                    Thomas Mann“)   15.30       Kaffeepause                  Schwerpunkt II:                  Kritisches zu Wagners Kunst und Denken aus heutiger Sicht   16.00       Impulsvortrag: Richard Wagner und die Nibelungen. Ein Beitrag zur                  philosophischen Kritik des mythologischen Denkens                                         (Prof. Dr. Rudolf Lüthe)   16.30       Diskussionsrunde                  - Prof. Dr. Rudolf Lüthe (Impulsreferent)                  - Dr. Jutta Georg („Wagners Antisemitismus“)                  - Michael Bauer, M.A. Musikwiss. & Dipl.-Pol.                                                                     („Wagner – eine humanistische Perspektive“)   17.45       Get-together (Foyer)   19.00       Ende der Veranstaltung Moderation: Prof. Dr. Harald Seubert & Dr. Frank Schulze Im Rahmen der Diskussionsrunden werden die Podiumsgäste jeweils ein eigenes weiteres Thema einbringen, das Sie der Klammer hinter dem jeweiligen Namen entnehmen können. Zudem besteht auch für die Teilnehmenden ausreichend Gelegenheit, Fragen zu stellen und Diskussionsbeiträge zu äußern. Im Rahmen des Get-togethers kann bei Sekt und Häppchen weiterdiskutiert werden.

Themen der Inputs

Richard Wagner: zwischen Infamie und Erhabenheit Prof. Dr. Harald Seubert In seinem Einführungsvortrag deutet Harald Seubert Wagner vor dem Hintergrund Schopenhauers, dessen pessimistische Philosophie Thomas Mann ebenso anzog wie Wagner, und die auch Nietzsche prägte; Letzterer wollte jedoch das Quietiv, die buddhistische Ruhe, durch Lebensbejahung ersetzen. Wagner hatte Schopenhauer „wie ein Himmelsgeschenk“ begrüßt. Was dann noch kam, etwa Nietzsche, stand für Wagner im Schatten dieses Ereignisses. Schopenhauers Rückgriff auf das buddhistische „tat wam asi“: „das alles bist du“ war für Wagner prägend. Gleich- wohl, so Seubert, teile Wagner mit Nietzsche, dass seine Kunst oszillierte, und mit ihr auch seine Masken. Diese Unentschlüsselbarkeit trage wesentlich dazu bei, dass Wagner bis heute unerfassbar bleibe. Dennoch könne und solle man versuchen, ihn im Netz seiner Kontexte zu fassen. Dabei werde es allerdings immer bei Annäherun- gen bleiben; in keines der Netze sei Wagner einzufangen – und bei kaum einem anderen Künstler der Epoche lägen Infamie und Erhabenheit so nahe beieinander. Die Rationalisierung in der Musik am Beispiel Wagner Dr. Kristina Schippling Kristina Schippling zeigt auf, dass Max Weber seine Rationalisierungskonzeption [1] auch auf die Musik anwendet. Sie ist einer der grundlegenden Idealtypen in Webers universeller Soziologie, wobei die Musiksoziologie das erste Stück in der Kunst- soziologie bilden sollte. Wagner versteht Schippling vor diesem Hintergrund als „Übergangsgestalt“ zwischen tradierter Oper und den Neutönern und führt etwa Theodor W. Adorno an. Die Referentin interpretiert Wagners Klangkunst als Suche nach der Natur und deutet musikalische Rationalität als „formale Rationalität“. [1] Anm.: Rationalisierung bedeutet nach Weber die fortschreitende Ersetzung alter Traditionen durch planvolles, zweckrationales Handeln, was impliziere: „Entzauberung“ der Welt – religiöse resp. magische Erklärungen weichen wissenschaftlichen und technischen Deutungen -, Bürokratisierung, Zweckrationalität, Kapitalismus. Richard Wagner und die Nibelungen. Ein Beitrag zur philosophischen Kritik des mythologischen Denkens Prof. Dr. Rudolf Lüthe Im zweiten Impulsvortrag des Tages untersucht Rudolf Lüthe die Bedeutung und Wirksamkeit von Mythen, die Sinnbezüge freizulegen suchen und dabei Aufklärung und Diskursivität vermeiden. Sein besonderes Augenmerk ist auf nationale Mythen am Beispiel des Nibelungenlieds gerichtet, dessen Benutzung in nationalen Kreisen im 20. Jahrhundert und im Werk Richard Wagners. Der Referent geht seinen Weg dabei antichronologisch von Chamberlain, der nicht zufällig in Bayreuth gelebt habe und dort auch gestorben sei, zurück zu Wagner. Hierbei arbeitet er wesentliche Kennzeichen des mythologischen Denkens heraus, zeigt dessen Pervertierung für politische Zwecke auf und legt anhand historischer Beispiele mögliche Folgen dieses Narrativs dar. Auf der Basis dieser Mythoskritik stellt Lüthe die Frage danach, welche Haltung man Richard Wagner, ausgehend von seinen Schriften und Werken, zuschreiben könne.

Schwerpunktthemen der Podiumsgäste

Nietzsche contra Wagner? Dr. Jutta Georg Jutta Georg diagnostiziert, dass Nietzsches Abkehr von Wagner nur eine scheinbare gewesen sei. Wagner sei für Nietzsche prägend gewesen und geblieben, was sich auch daran zeige, dass Nietzsche in „Ecce Homo“ 70-mal auf Wagner einging. Jutta Georg zeigt anhand der theoretischen Schriften Wagners und Nietzsches zu verschiedenen Zeiten, dass das Scheitern ihrer epochalen Beziehung unausweichlich gewesen sei, nachvollziehbar etwa an den gegenläufigen Erwartungen und Hoffnungen der Protagonisten, von der Rolle der Kunst über die Rolle der Musik bis hin zur Vorstellung der Zukunft der Menschheit. Auch wenn Nietzsche sich später französischen Tonkünstlern zuwandte, gelang es ihm bis zuletzt jedoch nicht, sich dem Zauber von Wagner zu entziehen. Wagners Antisemitismus Dr. Jutta Georg Jutta Georgs zweiter Schwerpunkt ist Wagners Antisemitismus, den sie im Kontext deutet und vom Antijudaismus absetzt. Die Kontextierung geht bis in die christli- chen Invektiven gegen die Hebräische Bibel zurück und durchdringt die europäische Geschichte, wobei auch Philosophen von Kant über Hegel bis zu Heidegger auf ihre antisemitischen Äußerungen abgefragt werden. Zentral dabei ist Luther, der den Juden verargte, sich nicht zur Reformation bekannt zu haben. Hier reicht eine unselige Linie bis zu Hitler und Streicher. Vor allem aber blickt Georg auf Wagners Hetzschrift „Das Judentum in der Musik“ und zeigt, warum diese eines der einfluss- reichsten Pamphlete des Antisemitismus sei. Zur Kritik dieser Schrift bezieht sie u.a. die zeitgenössische Kritik von Eduard Hanslick ein. Auch wenn Wagners Anti- semitismus nicht starr und durchaus widersprüchlich gewesen sei, äußerte er sich nie positiv über Juden. So ließ er wohl jüdische Dirigenten seine Opern aufführen, engagierte aber keine jüdischen Sänger. Er identifizierte mit dem Judesein Stereo- typen wie das merkantile Interesse, das über sachliche Interessen hinausgehe. Wagner – eine humanistische Perspektive Michael Bauer Näheres in Kürze.

Tagungsort

Das Symposium findet in Nürnberg im Marmorsaal der „Nürnberger Akademie“ statt (siehe die oberen zwei Fotos links auf dieser Seite). Bei dem Gebäude handelt es sich um das ehemalige Gewerbemuseum, erbaut von 1892 von 1897 im Stil eines repräsentativen neobarocken Schlosses. Das Museum war zugleich handwerkliche und industrielle Bildungsstätte zur Vermittlung der künstlerischen Gestaltung von Gebrauchsgegenständen – heute würde man „Design“ sagen.

Essen & Trinken

In der Kaffeepause (15.30 - 16.00 Uhr) wird es nicht nur Getränke, sondern auch süße und herzhafte Kleinigkeiten zu essen geben. Dies ist im Teilnahmebeitrag inbegriffen. Während des Get-togethers (17.45 - 19.00 Uhr) gibt es alkoholfreie Getränke und Knabbereien. Beides ist ebenfalls im Teilnahmebeitrag enthalten. Zudem wird Sekt angeboten. Wer vor der Veranstaltung ein Mittagessen in Nähe zum Tagungslokal einnehmen will, kann dies z.B. im Restaurant Heilig-Geist-Spital tun, das ca. 5 Gehminuten entfernt reizvoll in der Nürnberger Altstadt liegt (siehe die drei unteren Fotos links auf dieser Seite; Lageplan und Wegbeschreibung im PDF ebenda).
Der Weg vom Tagungslokal zum Heilig-Geist-Spital; hier der Lageplan mit Wegbeschreibung als PDF-Download.
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